Das Doppelkonzert LBO & KVJBO bot ein Gesamtkunstwerk in Bild und Musik

Björn Bus dirigiert das Landesblasorchester mit dem Gespür für Nuancen, (sz.K.Efinger)

Landesblasorchester verblüfft mit Perfektion - KVJBO ist Wertungsspielsieger (Sz Efinger)

Mit einem in jeder Hinsicht hervorragenden Konzert haben das Kreisverbands-Jugendblasorchester Ulm/Alb-Donau und das Landesblasorchester Baden-Württemberg am Samstag rund 500 Zuhörer in der Lindenhalle beeindruckt. Beide Formationen stellen sich zwei Wochen später beim 18. World Music Contest in Kerkrade/NL, dem größten Blasmusik-Wettbewerb der Welt, dem Urteil der Jury.

Als das KVJBO den Abend mit „joyRide“ von Mark Markowski schwungvoll eröffnete, hatte das von Franco Hänle geführte Jugendorchester Anlass genug, seine Freude über den zuvor am selben Tag eingefahrenen Erfolg beim Wertungsspiel des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds in Höchstädt hinauszuposaunen. Mit 96 von 100 Punkten waren sie dort das beste Orchester – und das in der Höchststufe. In der Lindenhalle hoben sich die Musiker die beiden Wertungsvorträge für den Schluss ihres fünfteiligen Programms auf und brachten als zweites Stück „Incantation and Dance“ von John Barnes Chance zu Gehör. Das zweiteilige Werk ist wie alles, was folgte, ebenfalls im höchsten Schwierigkeitsgrad eingestuft und gab den jungen Leuten Gelegenheit, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Beim Einstieg in den zweiten Satz „Horkstow Grange“ aus Percy Aldridge Graingers 

„Lincolnshire Posy“ imponierten die Hörner mit runder Choralharmonie. Den weichen aber nichtsdestoweniger präsenten Orchesterklang überragte ein helles Trompetensolo. Mit noch mehr Präzision als zwei Monate zuvor beim Frühjahrskonzert überzeugte das Jugendorchester des Kreisverbands bei der Wiedergabe der beiden Wertungsspielwerke. Die Krönung des ersten Konzertteils war die bombastische Klangverdichtung im grandiosen Selbstwahlstück „Libertadores“.

Das vorwiegend mit jüngeren Berufsmusikern besetzte Landesblasorchester präsentierte seinen als geschlossenes Themenkonzert gestalteten Wettbewerbsvortrag. Eine ununterbrochene Reihenfolge bildeten „Middle East Raid“ von Eckhard Stromer, „Syrinx“ von Claude Debussy, „Pan und Syrinx“ von Carl Nielsen, „Rebroll“ von Salvador Brotons und „El jardin de las Hespérides“ von José Suñer Oriola. Damit wird das von Björn Bus dirigierte Spitzenorchester der in Kerkrade gestellten Anforderung an Dramaturgie des Konzerts und emotionale Wirkung auf das Publikum gerecht. Dies wurde durch die Projektion eindrucksvoller Fotografien unterstrichen.

Basierend auf dem eine Erzählung aus der griechischen Antike aufgreifenden Hauptwerk von José Suñer Oriola geht es um Verrat, Gewalt und Flucht. Die in einer absteigenden Ganztonleiter endende „Syrinx“ blies die gebürtige Ehingerin Corinna Henger. Mit tosendem Applaus reagierte das von der nicht zu überbietenden Klangentfaltung verblüffte Publikum am Ende des einstündigen Gesamtkunstwerks.

Ein Erlebnis war das Landesblasorchester Baden-Württemberg beim Musiksommer Ehingen. In der Aufführung wurde symphonische Blasmusik zum emotionalen Erlebnis.  (Chrtisina Kirsch sp)

Der Begriff „sensationell“ ist für das Konzert des Landesblasorchesters Baden-Württemberg im Rahmen des Musiksommers Ehingen nicht zu hoch gegriffen. „Ich hatte Gänsehaut“, sagte ein Zuhörer, „So etwas habe ich noch nie gehört“, ein anderer. Das Landesblasorchester (LBO) bereitet sich derzeit auf den World Music Contest in Kerkrade vor. Bei diesem alle vier Jahre stattfindenden Wettbewerb treten Amateurorchester aus der ganzen Welt an.

2005 errang das Orchester bereits einen ersten Preis in Gold mit Auszeichnung. Nun tritt das Landesblasorchester als einziges deutsches Orchester in der Konzertklasse an. Die Anforderungen sind riesig. Und neu. Das Pflichtstück ist gestrichen, um mehr Entfaltungsspielraum zu geben. Zudem wird Wert darauf gelegt, dass die Musik einen gesellschaftlichen Wandel aufnimmt. Im Fokus steht nicht die Unterhaltung, sondern die Emotion. Ein neuer Schwerpunkt ist die Kommunikation mit dem Publikum. Dabei setzt das LBO auf Bilder, die die Musik begleiten. „Es gilt, nicht nur technisch perfekt zu sein, sondern die Jury verlangt magische Momente auf der Bühne“, kündigte ein Musiker des Orchesters an. Deshalb habe man sich mit der Not und der Gewalt auf der Welt befasst. Das Orchester traf sich mit syrischen und afghanischen Jugendlichen und stellte unter seinem Dirigenten Björn Bus ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Bildern zusammen.

Not und Gewalt in der Welt

Die Musikstücke wie Eckhard Stromers „Middel East Raid“ oder Claude Debussys „Syrinx“ gingen beinahe unmerklich ineinander über und schufen als Einheit eine Atmosphäre von Bedrohung und latenter Unsicherheit. Dabei ist Claude Debussys Komposition Syrinx eigentlich eine zarte und lyrische Angelegenheit. Aber flankiert von energischen Musikstücken, wurden die impressionistischen Träume des Hirtengottes Pan zu einem tragischen Tongedicht. Die gebürtige Ehingerin Corinna Henger spielte die Flöte mal hauchzart und mal wild. Danach beschrieb der erste Satz aus dem Werk „Rebroll“ von Salvador Brotons viel Gewalt und Unterdrückung durch die Diktatur General Francos. Beim Hauptwerk des Abends, den Gärten der Hesperiden von José Suñer Oriola, schloss sich der mythologische Kreis mit einer Erzählung über Verrat und Gewalt in der Antike. Als der Titan Atlas den Drachen Ladon tötet, schrie das Orchester auf. Die begleitenden Bilder zeigten ein leeres Schlauchboot, schlafende Kinder, zerstörte Häuser oder auch eine Landschaftsidylle. Das Orchester setzte seinen Zuhörern mit diesen Werken regelrecht zu und machte deutlich, dass es Idyllen kaum noch gibt. Wer das glaubt, ist mit Scheuklappen oder Blindheit geschlagen. Es war gut, dass das LBO als zweites Orchester aufspielte, da jeder Zuhörer etwas Zeit brauchte, um die Eindrücke zu verarbeiten. Als Zugabe passte „Allerseelen“ von Richard Strauss. Im ersten Teil des Abends zeigte das Kreisverbandsjugendblasorchester Ulm/Alb-Donau unter der Leitung von Franco Hänle sein Können. Auch das KVLBO reist nach Kerkrade, tritt jedoch in der Kategorie „Harmony – Second Division“ an. Unter Franco Hänle hat sich das Orchester prächtig entwickelt und beherrscht viele Klangfarben.

Prächtig entwickelt

Hier kommen die jugendlichen Jugend-Musiziert-Preisträger zusammen und stellen sich den Herausforderungen von Kompositionen wie „Incanation and Dance“ von John Barnes Chance, in dem als erster Stimmung geheimnisvolle Momente beschrieben sind.

Im zweiten teil schwillt ein ruhiger Tanz zu einem wuchtigen Finale an. Das Pflichtstück „Summer Dances“ von Adam Gorb ist mit stetem Wechsel verschiedener Achteltakte eine Schwierigkeit, die das Orchester perfekt meisterte. Bei so viel Enthusiasmus und Können wünscht man beiden Orchestern eine gute Verfassung bei der Olympiade und natürlich eine Gold-Medaille.

 

 


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